Begegnung von Christen und Muslimen
Begegnung von Christen und Muslimen

Räume der Begegnung

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Überlegungen zur Arbeit der Brücke

„Nur wer selbst fest steht, kann auch andere stehen lassen!“ lautet mein Motto für die Arbeit in der Brücke. Ein solcher Zugang scheint mir für die Begegnung von Christen und Muslimen grundlegend zu sein.

Angesichts einer Gesellschaft, die sich als säkular versteht und in der immer weniger Menschen einer institutionalisierten Religionsgemeinschaft angehören, ist die Frage, welchen Beitrag Religionsgemeinschaften für die friedliche Koexistenz verschiedener religiöser und säkularer Gruppen in der Gesellschaft leisten können.

„Es wird versucht, zwischen Menschen unterschiedlicher Religion menschliche Gemeinschaft und ein redliches, einander respektierendes religiöses Gespräch zu fördern. Aus christlicher Identität heraus wird in diesem Austausch das Glaubenszeugnis so zum Ausdruck gebracht, dass es zu einer echten Begegnung auch mit der Botschaft (dem Glaubenszeugnis) anderer Religionen, vor allem des Islams, kommen kann.“ So sieht es das Konzept der drei Träger für die Arbeit im Begegnungszentrum „Brücke-Köprü. Begegnung von Christen und Muslimen“ vor.

Auf den ersten Blick mag es verwunderlich erscheinen, dass eine christlich-islamische Begegnungsarbeit ausschließlich von christlichen Trägern und christlichen Hauptamtlichen konzeptioniert, verantwortet und durchgeführt wird. Auf den zweiten Blick mag man aber entdecken, dass die Stärke dieses Konzepts in der Klarheit seiner Identität und dadurch in der Chance zur Begegnung mit Andersgläubigen auf gleicher Augenhöhe liegt.

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1. In welcher Ausgangssituation findet die Begegnung statt?

Mehr durch die normative Kraft des Faktischen als durch einen bewussten Diskurs schien Folgendes im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgemacht zu sein: das Religiöse verlagert sich zunehmend ins Private und wird die gesellschaftliche oder gar politische Diskussion kaum mehr beeinflussen.

Um wie viel mehr irritiert es da, wenn nun eine immer größer werdende Minderheit von Muslimen die Öffentlichkeit von Religion einfordert: mit dem Urteil zum Schächten wird im Rahmen der deutschen Rechtsordnung Schari´a praktiziert, Minarette in der Silhouette deutscher Städte zeigen, dass das Monopol der Kirchtürme auf Sichtbarkeit der religiösen Präsenz nicht mehr gilt und die Kopftuchdiskussion wird zur Prüfung, inwieweit die Menschen dieser Gesellschaft in der Lage sind, ihre muslimischen Nachbarn differenziert wahrzunehmen und Gleichberechtigung zu gewähren.

Kritisch wird es dort, wo sich Religion nicht mehr auf ein Steinchen des interkulturellen Mosaiks reduzieren lassen will, sondern entsprechend eines ganz eigenen Selbstverständnisses als alles interpretierendes und regelndes System auftritt.

Während säkular geprägte Menschen in dieser Diskussion mit Muslimen häufig mit Unverständnis reagieren, können Christen Vergleichspunkte finden: Der Anspruch der Letztgültigkeit findet sich etwa auch im Denken ihrer Religion. In beiden Glaubensgemeinschaften haben sich aber im Laufe der Geschichte teils theologisch begründete oder einfach pragmatische Modelle der Koexistenz von Verschiedenen entwikkelt.

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2. Um welche Fragen geht es?

Lässt man sich in der Brücke gerne auf tiefere theologische und philosophische Fragen ein, ob unter dem Aspekt der Wahrheitsfrage oder häufiger im Sinne der vergleichenden Religionswissenschaften, so lautet die Frage in weiten Teilen der Gesellschaft: Wie werden Präsenz und Anspruch der islamischen Glaubensgemeinschaft

Interessant mag sein, dass die Eigenwahrnehmung von Alteingesessenen und muslimischen Migranten in Europa sich häufig entspricht: Beide betrachten sich als schwach und den anderen unterlegen.

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3. Verhältnisbestimmung

In der Brücke in Nürnberg werden Begegnung und Gespräch mit Muslimen aus christlicher Identität heraus gesucht, um das christliche mit dem muslimischen Glaubenszeugnis in einen Diskurs zu bringen, der nicht zuletzt auch nach der Rolle der Religionsgemeinschaften im säkularen Staat fragt.

Das Verhältnis von Christen und Muslimen und die damit zusammenhängenden Herausforderungen, möchte ich an einigen Punkten am Bild der Brücke erläutern.

Eine Brücke verbindet getrennte Ufer. Wer auf ihr geht, bewegt sich auf die andere Seite zu. Man kann sich auf die andere Seite einladen lassen, um sich – zumindest zeitweise – ganz auf den anderen Kontext einzulassen. Es ist aber auch möglich, dass sich Menschen von beiden Seiten einfach auf der Brücke treffen.

Wo es sie gibt, helfen Brücken nicht selten über schwindelerregende Abgründe oder reißende Flüsse hinweg. Sie wird aber unweigerlich einstürzen, wenn ihre Pfeiler nicht stark genug sind oder das Fundament erodiert.

Das Bild der Brücke repräsentiert nun also das Verhältnis von Christen und Muslimen, sowie wichtige Aspekte der Arbeit des Begegnungszentrums Brücke-Köprü: Christentum und Islam stellen die Pfeiler der Brücke dar – jeweils an ihrem eigenen Ufer. Das Fundament bildet der gesellschaftliche und staatliche Kontext, in dem Religion praktiziert wird.

Glaubende beider Religionen beziehen ihr Vertrauen in das Leben aus dem Glauben an Gott. Daraus entsteht auch oft ihre Motivation, sich konstruktiv an der Mitgestaltung des gesellschaftlichen und politischen Lebens zu beteiligen. Der Glaube an den sich offenbarenden Gott ermöglicht dafür einen ganz eigenen Blick auf die Gesellschaft und eröffnet für das Geschehen auf der Brücke, an ihren Pfeilern und ihren Fundamenten einen ganz eigenen Horizont.

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3. Verhältnisbestimmung

Skizze 1 Skizze 1
Glaubende beider Religionen sehen sich unter Gottes Zuspruch und Anspruch. Das öffnet einen ganz eigenen Horizont und Blick auf ihre Gesellschaft.

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3. Verhältnisbestimmung

Skizze 2 Skizze 2
Christen und Muslime stehen in diesem Brückenbild je an einem Ufer in der religiösen Identität, der Glaubensgeschichte und Kultur ihrer Gemeinschaft, die die Pfeiler dieser Brücke bildet.

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3. Verhältnisbestimmung

Skizze 3 Skizze 3
Beide fragen aus ihrer je eigenen Perspektive nach Gott.

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3. Verhältnisbestimmung

Skizze 4 Skizze 4
Nun kommt die Brücke als konkreter Begegnungsraum ins Spiel, und wir wollen dabei vor allem die Einrichtung Brücke-Köprü betrachten. Dieses Angebot der evangelischen Kirche bemüht sich um Begegnung und Dialog auf Augenhöhe. Die Arbeit wird von der christlichen Perspektive aus angegangen.

Die Brücke als Ort der Begegnung umfasst folgende Dimensionen:

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3. Verhältnisbestimmung

Skizze 5 Skizze 5
Die in diesem geschützten Raum bei interreligiösen und interkulturellen Begegnungen erworbenen Kompetenzen sollen wieder an die jeweils eigene Basis zurückfließen, in Kirchengemeinden, Moscheevereine, Familien, Stadtteilaktivitäten, und können dadurch eine den jeweiligen Pfeiler und das Fundament stärkende Wirkung haben.

So soll zunehmend eine Infrastruktur des respektvollen Austauschs zwischen verschiedenen Gruppen von Christen und Muslimen auf verschiedenen Ebenen geschaffen werden (theologisch, gesellschaftlich, persönlich…).

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3. Verhältnisbestimmung

Skizze 6 Skizze 6
Die Wege zueinander sind offen. Für Glaubende kann die Motivation dieser Offenheit „in Gottes Namen“ sein, wenn sie ihren Glauben entsprechend interpretieren. Eine starke Motivation kann aber auch ganz einfach die Einsicht in die Notwendigkeit einer funktionierenden „Infrastruktur des gegenseitigen Respekts“ sein, die für eine gelingende Koexistenz förderlich ist.

Ein konkreter erster Schritt zum Aufbau einer Infrastruktur kann es z.B. sein, wenn ein Kirchen- oder Vereinsvorstand dem benachbarten Moscheeverein Grüße zum Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan überbringt. In der Regel werden die Muslime einen solchen Gruß etwa zu Weihnachten erwidern wollen.

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4. Spannende Herausforderung: Wir und die Anderen

Es gibt Menschen, die sich in der Begegnung mit einer anderen Religion oder Kultur zumindest zeitweise auf einen Perspektivwechsel einlassen: eine zeitlang versuchen, die Dinge aus der Perspektive des jeweils anderen zu sehen, sich als Grenzgänger zu „entäußern“.

In diesem Sinne müssten die Pfeile jeweils bis ans andere Ufer reichen, doch es ist bereits viel gewonnen, wenn sich jemand vom eigenen Ufer weg wagt, sich auf die Brücke begibt, um sich mit denen zu verständigen, die von der anderen Seite herkommen.

Wer sich dagegen einladen lässt, zeitweise die Perspektive des anderen einzunehmen, steht in der besonderen Spannung der „Entäußerung“ und des Bei-sich-Bleibens des „Grenzgängers“. In Nürnberg finden sich dazu geradezu ideale Bedingungen, da es auf islamischer Seite die Begegnungsstube Medina e.V. gibt, die islamisch-christliche Begegnungs- und Dialogarbeit aus muslimischer Perspektive veranstaltet und an wichtigen Punkten mit der Brücke-Köprü zusammenarbeitet.

Bei Bildungsveranstaltungen, bei Mediationsbemühungen in interkulturellen Konflikten unter Jugendlichen, sowie christlich-islamischen Gebetsstunden zeigen die in Brücke-Köprü und Medina e.V. Engagierten, dass es möglich ist, sich zeitweise ganz in die Situation des Gegenübers hineinzudenken, dann wieder bei sich zu sein, um dann gemeinsam in geeigneten Bereichen Verantwortung zu übernehmen.

Vielleicht ist es erst der Mut des „Grenzgängers,“ dessen, der sich auf einen Perspektivwechsel einlässt, der ein echtes Gespräch ermöglicht, immer auch mit der Option, dass der andere Recht haben könnte.

Schwierig wird es dann, wenn jemand beansprucht, die Wahrheitsfrage für andere abschließend beantworten zu können.

Häufig wird die Zwangsläufigkeit eines Kollisionskurs von Christen und Muslimen aufgrund des Letztgültigkeitsanspruchs ihrer Religionen und ihrer missionarischen Existenz behauptet. Dies ist aber keineswegs der Fall:

Christen können auf die Zuständigkeit des Heiligen Geistes verweisen, bei anders Glaubenden etwas aus dem zu machen, was sie durch ihr Reden und Handeln vorstellen. Auch Muslime können die Dinge in diesem Sinne ganz Gottes weiser Entscheidung überlassen.

Was das Verhältnis von Juden, Christen und Muslimen betrifft, so heißt es in Sure 5:48: „Und wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Doch will Er euch prüfen in dem, was Er euch hat zukommen lassen. So eilt zu den guten Dingen um die Wette. Zu Gott werdet ihr allesamt zurückkehren, dann wird Er euch kundtun, worüber ihr uneins waret.“

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5. Ist die Brücke schief?

Das schöne Bild der Brücke suggeriert nun ein Einander-Gegenüber-Sein auf gleicher Augenhöhe. Dies ist sicher nicht so:

In Europa fühlen sich viele bedroht von den politischen Ansprüchen, die islamische Gruppen erheben könnten. Die bereits erwähnte Diskussion über die Öffentlichkeit von Religion verunsichert vor allem die, die diese Debatte schon lange für überwunden hielten. Andere ängstigt die häufig als übermächtig empfundene spirituelle Kraft des Islam. Und überhaupt - die demographische Frage: muslimische Familien haben oft relativ hohe Geburtenzahlen.

Muslime dagegen prangern vor allem ihre institutionell noch schwache Situation in unserer Gesellschaft an, in der ihnen Christen selbstverständlich hier weit überlegen sind. Die Gründe für dieses Ungleichgewicht sind vielfältig und hinlänglich bekannt. Erwähnt sei hier nur die grundsätzliche Differenz hinsichtlich institutioneller Strukturen, die in den großen Kirchen hierarchisch geprägt sind, während es vergleichbare Hierarchien im sunnitischen Islam nicht gibt.

Dieses auf beiden Seiten verbreitete Gefühl, ein schwaches, dem anderen unterlegenes Opfer zu sein, ist gefährlich. Wenn dem nicht effektiv entgegengewirkt wird, besteht die Möglichkeit, dass sich beide Seiten in ihrem Empfinden, Opfer zu sein, gegenseitig stabilisieren und Konflikte dabei eskalieren lassen.

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6. Den eigenen Pfeiler stärken – aber auf welchem Fundament?

Hier ist der Punkt, um noch mal auf das eingangs erwähnte Motto für die Begegnungsarbeit Bezug zu nehmen: „Nur wer selbst fest steht, kann auch andere stehen lassen!“
Das bedeutet, dass eine Stärkung der jeweils eigenen Identität nötig ist (Skizze 2).
Dies meint auch eine Förderung der Sprachfähigkeit und Sprachwilligkeit über das, was das eigene Denken und Handeln bestimmt.
Wer darüber nicht Auskunft geben kann oder will, wird kaum in der Lage sein, mit Menschen umzugehen, die von einem anderen kulturellen und religiösen Kontext geprägt sind.

Für den interreligiösen Bereich geschieht die Förderung dieser Sprachfähigkeit und -willigkeit in der Brücke bei Seminaren und Gesprächskreisen für verschiedene Zielgruppen, die dazu dienen sollen, schließlich mit Muslimen gemeinsam einen „Raum“ für Gespräche und Begegnungen in diesem Sinne zu öffnen, um dort eine Position einnehmen und vertreten zu können. Wo aber im gesellschaftlichen Kontext das Vertrauen in eine Religionsgemeinschaft erodiert, ihre Symbole in der Öffentlichkeit unsachgemäß oder einseitig gedeutet werden und Misstrauen teilweise gar per Gesetz institutionalisiert wird, da rutscht das Fundament weg, auf dem Religion – im gesellschaftlichen Zusammenhang gesehen – in selbstverständlicher und entspannter Weise praktiziert wird.

Wo dieses Fundament aber schwächer wird, werden Menschen ihre Religion selbst zunehmend „fundamentalistisch“ praktizieren, sich abgrenzen und kaum mehr einen konstruktiven Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft leisten können – ganz im Gegenteil: so werden Ressentiments geschaffen, aus denen sich der Terrorismus nährt.

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7. Begegnung und Dialog auf der Brücke

Im geschützten Raum der Brücke kennzeichnen Gespräche, Feiern und Aktionen, geteiltes Leid und mitgeteilte Freude den „gelebten Dialog“.

Dagegen kann der intellektuelle Austausch zwischen beiden Seiten nur aus der Spannung heraus geführt werden, die zwischen Selbstbewusstsein und Bereitschaft zum Perspektivenwechsel besteht. Wer weiß, wer er ist und wo er steht, gibt sich nicht auf, wenn er sich zeitweise ganz in die Perspektive des anderen versetzt (siehe „Grenzgänger“).

Eine Brücke führt somit einerseits zusammen, aber sie hält auch auseinander: sie verdankt ihre Existenz getrennten Ufern, die sie zwar überbrückt, aber auch deutlich markiert.

„Haus der Glaubensbezeugung“ solle die neue juristische Kategorie für Muslime in Europa heißen, um ihre soziale, politische und kulturelle Situation zu fassen. So vertritt es Professor Tariq Ramadan, der damit die alten juristischen metaphorischen Kategorien „Haus des Islam“ und „Haus des Krieges“ überwindet. Neben der Wahrung der spirituellen Identität der Muslime geht es ihm auch darum, sie an politischen und gesellschaftlichen Prozessen zu Beteiligten zu machen.

Im Grunde lässt sich mit seinem Begriff „Haus der Glaubensbezeugung“ auch ausdrücken, was die Brücke sein will: ein Raum, in dem Christen und Muslime einander gegenseitig von ihrem Glauben erzählen und durch Worte, Begegnungen und Taten einander ermutigen, sich an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, um diese säkulare Gesellschaft als Glaubende durch jeweils eigene und auch gemeinsame Akzente konstruktiv mitzuprägen.

Wenn es dann gelingt, den „Schutzraum Brücke“ auch zu verlassen, den ein oder anderen Graben unter der ein oder anderen Brücke zunehmend zuzuschütten und die Arbeit in dieser Gesellschaft als gemeinsames Projekt zu sehen, dann braucht es an diesen Stellen keine Brücken mehr und dort ließe sich wohl mit Goethe sagen: „Wer sich selbst und andre kennt / Wird auch hier erkennen: / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.“

Weil zuvor angedeutet wurde, dass es Bereiche gibt, in denen sich Christen und Muslime einander nicht auf Augenhöhe begegnen, sondern sich jeweils eher als Opfer der anderen sehen, sei deshalb hier erwähnt, dass diese Begegnung auf Augenhöhe wohl am ehesten dort erfahrbar ist, wo sich Christen und Muslime im theologischen Gespräch oder einer spirituell gestalteten Feier gemeinsam unter dem Zuspruch und Anspruch des einen Gottes stehend wissen, womit sich der Kreis wieder zu Skizze 1 hin schließt.

Wo Glaubensgemeinschaften als Teil der pluralen Gesellschaft aus spiritueller Motivation Verantwortung übernehmen wollen, sollte die Vernetzung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit säkular denkenden Menschen selbstverständlich sein. Ein stabiles „Fundament“ ist für diese Zusammenarbeit wichtig.

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8. Brückenpfeiler zu gleicher Höhe entwickeln statt Tunnel zu graben

Ein gestärktes Selbstverständnis des jeweils eigenen Denkens und Handelns wird entscheidend dazu beitragen, Menschen mit einem anderen Denkansatz bzw. anderer religiöser oder kultureller Prägung in ihrem Selbstverständnis ernst nehmen zu können.

Wenn vorhin schon angedeutet wurde, dass Christen und Muslime einander keineswegs aufgrund des Letztgültigkeitsanspruchs ihrer jeweiligen Religion das Existenzrecht streitig machen müssen, so scheint sich eine solche Dynamik jedoch zwischen religiös und säkular Denkenden zu entwickeln: Tendenzen hin zu einem laizistischen System würden ein sich gegenseitig ergänzendes Verhältnis zwischen Glaubensgemeinschaften und säkularer Gesellschaft ausschließen.

In dem in Deutschland bisher geltenden Modell der Trennung von Staat und Religion steht die Brücke auf einem festen Fundament: religiös Denkende können sich auf ihr über Glaubenshorizonte austauschen, während Andersdenkende jeweils – im Bild gesprochen – ihre eigenen Gebäude zu beiden Seiten der Brücke errichten. Alle profitieren hier voneinander.

Der derzeitige Stand der Diskussion über die Öffentlichkeit von Religion lässt aber vermuten, dass der sichtbaren und wirksamen Pluralität in Deutschland keine gute Zukunft bevorsteht. Die Notwendigkeit der Verständigung zwischen verschiedenen Gruppen für eine gemeinsame und friedliche Zukunft, leuchtet den meisten ein.
Vielen wären dafür aber Tunnel lieber als Brücken.
Wo es aber Brücken gibt, wird sichtbar, dass der viel zitierte „Kampf der Kulturen“ bzw. Religionen nicht alternativlos ist.

„Schlagt eure Zelte weit voneinander auf, aber nähert eure Herzen!“
Inschrift auf den Mauern der Alhambra

Brücke-Köprü – Begegnung von Christen und Muslimen
www.bruecke-nuernberg.de/m_konzept_folien.htm – letzte Änderung: 25. Okt 15 – Impressum